IG Trailnews #2

 

Eine Stellungnahme und nachdenkliche Worte zum unten verlinkten Artikel vom 08.10.2020 in der Cannstatter Zeitung:

Nachdem wir im Rems-Murr-Kreis auf Einladung vom Kreisforstamt schon im Juli in einen tollen konstruktiven Prozess gestartet sind, verwundert es uns doch schwer, dass sich einzelne Vertreter des lokalen Runden Tisches Fellbach – gemeinsam mit Nachbarkreise – nicht an die Absprachen halten, den kommenden Prozess mit Respekt und Verständnis gemeinsam voran zu bringen und auf schriftliche Diskussionen zu verzichten. Wir finden es schade was für ein Image und ein Bild von uns in der Cannstatter Zeitung – direkt nach der Kreisgrenze – gezeigt wird und wie völlig verkannt wird, dass auch wir Natursportler sind, denen in ganz Baden-Württemberg einfach kein Platz eingeräumt wird. Seit Jahren kämpft die DIMB als unser Hauptverein um den Wegfall der 2-Meter- Regel, damit wir gemeinsam mit den Wanderern die vorhandenen Wegenetze nutzen können und hierdurch auch weniger neue Wege entstehen. Die Landesregierung hält seit Jahren an der Regel fest und fordert lokale Forstämter zu lokalen Ausnahmen von der 2- Meter Regel auf, was Personal, Steuergelder und unfassbar viel Man-Power bindet. Genau deshalb wird dankenswerter Weise vom Kreisforstamt des Rems-Murr-Kreises versucht ein gemeinsames Wegekonzept auf Kreisebene großflächig umzusetzen, dass versucht den Bedarf zu decken und die Nutzer geschickt zu lenken. Aber genau das scheint einzelnen lokalen Akteuren auch wieder nicht recht zu sein. Wir haben uns zum Beispiel bereit erklärt, den örtlichen NABU in Fellbach bei der Errichtung eines Zaun um ein Schutzgebiet zu unterstützen, wir werden eine Baumpflanzaktion mit dem schwäbischen Albverein durchführen am 07.11 und trotzdem zieht man über uns in der Presse her, als seien wir diejenigen, die seit Jahren den Bedarf verkennen. Auch wenn es den Nachbarkreis vorrangig betrifft ist es ein Schlag ins Gesicht aller Mountainbiker. Wir kämpfen seit Jahren gegen Windmühlen, sind immer in der Defensive und bekommen dann in der Presse noch die volle Breitseite kassiert. Man könnte sich schon die Frage stellen, wie man sich wundern kann, dass immer mehr illegale Trails entstehen, wenn man im Gegenzug keine funktionierenden Trails anbietet und die Mountainbiker seit über 20 Jahren in die Illegalität drängt. Irgendwie wirkt es fast ein wenig grotesk, wenn sich auch etliche Vertreter der Forstämter von Stuttgart, Esslingen, Waiblingen-Fellbach und des Landes im Artikel ebenfalls gegen rollende Räder aussprechen, während die Schneisen im Wald durch Waldarbeiten immer breiter und tiefer werden. Aber auch hier scheint es Gründe und eine Notwendigkeit für große Gerätschaften zu geben, weshalb wir das nicht verurteilen – nur haben wir es satt im Gegenzug die Naturschänder zu sein. Dass der Wildbau von Trails geregelt werden muss – durch legale Angebote – wissen wir selbst. Etwas mehr Empathie würden wir uns jedoch auch von den Nachbarkreisen wünschen und sind sehr froh, dass bei uns im Kreis der Forst genau über diese Empathie verfügt und wir alle gemeinsam nach bestmöglichen Nutzungsmöglichkeiten für alle Interessensgruppen suchen. Wie immer sind es wir, die Tiere vernichten, rücksichtslos alles niedermähen was nicht Niet und Nagelfest ist. Und wie immer sind es wir, die am kürzeren Hebel sitzen und uns scheinbar alles gefallen lassen müssen. Sofern die jetzigen lokalen Weggenehmigungen und runden Tische scheitern, zeigt das aus unserer Sicht vor allem eins: • Ausnahmen von der 2-Meter-Regel sind aufgrund der lokalen Lobbyarbeit unmöglich in der Praxis umzusetzen, so dass ein funktionierendes Wegenetz entsteht, dass sich am wirklichen Bedarf der Mountainbiker orientiert. Genau das würde jedoch auch der Natur und den einzelnen Interessengruppen guttun, um endlich wieder Ruhe und Frieden in den Wäldern zu garantieren. • Es würde außerdem zeigen, dass Baden-Württemberg nicht in der Lage ist, Nutzer anhand von guten Angeboten zu Lenken und damit allen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern versucht wird, alles über Verbote zu regeln. • Außerdem würde in solch einer Diskussion weder unser gesetzlich gleichwertiges Erholungsziel im Wald berücksichtigt, noch werden die aktuellen “Impulse und Empfehlungen der Bundesplattform „Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“” (WaSEG) zum Betretungsrecht aus dem März 2019 – berücksichtigt. Das Positive was wir dem Artikel abgewinnen können ist, dass erkannt wurde, dass es nur über ein schnellstmöglich entstehendes Wegenetz funktionieren wird, dem Bedarf an Mountainbikestrecken gerecht zu werden. Und dass es vor allem an den Kommunen liegt schnelle Lösungen zu finden und zwischen allen Interessen zu vermitteln. Auch scheint von den Beteiligten des Nachbarkreises erkannt worden zu sein, dass das Kreisforstamt Rems-Murr-Kreis sicher den richtigen Weg gewählt hat, großflächige Wegenetze durch einen umfangreichen Beteiligungsprozess anzustoßen und wir bereits mitten drin sind. Dass das eigentlich die Idee des Kreisforstamts Rems-Murr-Kreis war und wir super Auftaktgespräche mit allen Verbänden hatten, hätte man übrigens ruhig auch im Artikel erwähnen dürfen. Auch wir hoffen auf einen Schulterschluss mit angrenzenden Landkreisen und wünschen uns, dass endlich nicht mehr über uns gesprochen wird – sondern mit uns! Also bitte laden Sie künftig auch Vertreter der Mountainbiker der betroffenen Regionen zu solch wichtigen Presseterminen ein, damit ein wirklich ergebnisorientierter Beteiligungsprozess überhaupt stattfinden kann! Über Stadt- und Landkreisgrenzen hinweg wollen die Beteiligten nun also ebenfalls einen interkommunalen Dialog führen und auch Vertreter der Mountainbiker beteiligen. Gemeinsam soll ein Konsens gefunden und möglichst alle Interessen unter einen Hut gebracht werden. Hoffen wir die Bereitschaft der lokalen Mountainbiker zur Zusammenarbeit sinkt nach solch einem Artikel nicht noch weiter… Der Lichtblick des Artikels war daher auch der abschließende Absatz: „Im Idealfall haben wir in zwei Jahren ein kreisübergreifendes Netz mit erlaubten Trails, Spazierwegen und mit Sperrgebieten, das wir gemeinsam entwickelt haben“, wünscht sich Eick. Die Mountainbike-Community müsse dann in ihren Kreisen dafür werben, dass der Verhaltenskodex eingehalten werde. Denn sonst käme man nur mit Strafen weiter.” Wir sind also vom Wunsch her gar nicht weit voneinander entfernt, wünschen uns aber auch, dass wir künftig auch während solcher Prozesse – in der Presse nicht in so einem Bild dargestellt werden. Unsere Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen, sich respektvoll in Natur und im Wald zu bewegen und Rücksicht auf Wanderer zu nehmen. Nur wer sich im Wald bewegt – egal ob zu Fuß oder auf dem Rad – lernt ihn zu schätzen und auf ihn aufzupassen und das spiegelt dieser Artikel in keinster Weise wider. Sobald attraktive Wegenetze ausgewiesen werden, sind wir weiterhin gerne bereit in unserer Community weiter auf die Trail Rules hinzuweisen und dafür zu werben. Klar ist aber auch, dass alle Nutzergruppen der Mountainbiker in irgendeiner Form berücksichtigt werden müssen und es sicher an gewissen Stellen das ein oder andere Zusatzangebot benötigt. Hierzu ist es sicher sinnvoll illegal etablierte Trails – sofern möglich zu legalisieren, um weitere Neubauten zu vermeiden, wie auch in dem Artikel angemerkt wurde. Die Situation in Baden-Württemberg ist übrigens inzwischen so grotesk, dass inzwischen keine Ausbildungen für Mountainbike Guides unseres Bundeslehrteam hier bei uns stattfinden, da es nahezu keine legalen Wegenetze gibt. Fahrtechnikschulen bewegen sich haftungsrechtlich im grenzwertigen Bereich, wenn sie Kindern oder Fahranfängern versuchen neben der Fahrtechnik auf Trails auch das Verhalten beizubringen. Gerade ausgebildete Guides können jedoch auch neue Nutzer auf Verhaltensregeln hinweisen und beibringen, dass es in unserem Sport wirklich um die gegenseitige Rücksicht von Mensch und Natur geht. In diesem Sinne hoffen wir auf einen konstruktiven Prozess und sind gerne bereit mit den Kollegen aus den anderen DIMG Interessengruppen der Nachbarkreise weiter daran mitzuarbeiten, sofern wir ebenfalls respektvoll und mit Wertschätzung in diesen Prozessen behandelt werden. Im Rems-Murr-Kreis ist das überregional bisher mehr als gelungen und nun hoffen wir, dass auch die lokalen Akteure die Chance auf Frieden und Ruhe im Wald durch ein gemeinsam erarbeitetes attraktives, legales Wegenetz sehen und ergreifen… Wie geht`s Euch, wenn Ihr so einen Artikel lest? wie fühlt Ihr Euch da und was ist Eure Meinung dazu?

https://www.cannstatter-zeitung.de/inhalt.naturschutz-im-schurwald-radverkehr-im-wald-in-bahnen-lenken.9e64f43a-5c92-47f8-b062-55f9d691b903.html

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