Neue legale Mountainbike Trails auf dem Kappelberg in Fellbach beschlossen

Nachdem wir letzte Woche am 16.06.2021 die Einweihung des ersten legalen Trails in Kernen bei unserem Legalisierungsprozess gefeiert haben, geht es nun Schlag auf Schlag weiter.

Gemeinderat beschließt legale MTB Trails für eine bessere Besucherlenkung

Der Gemeinderat der Stadt Fellbach hat am 22.06.2021 für die meisten unserer eingereichten Trails seine Zustimmung zur Legalisierung erteilt.

Das ist ein weiteres sehr wichtiges Erfolgserlebnis für uns, da der Abstimmungsprozess im Vorfeld nicht einfach und sehr zeitaufwendig war. Wir haben versucht in den einzelnen Nutzergruppen aufeinander zuzugehen und haben gerade in Fellbach auch zahlreiche Ortstermine mit Jägern, Nabu, Forst, SAV wahrgenommen. Vor allem Patrick war hier bei der Abstimmung gefordert und hat sich in seiner Heimat neben dem Job intensiv ehrenamtlich eingebracht.

Außerdem haben er und Jan sehr zeitaufwendig nach spannenden alternativen Trassen gesucht, die wir vorschlagen können. Einige der Entlastungswege sind aber auch gemeinsam vor Ort mit dem Forst entstanden.

Traillegalisierung Gemarkung Fellbach DIMB

Umfang des beschlossenen Trailnetz als Grundlage für eine positive Besucherlenkung

Insgesamt enthält das nun im Gemeinderat beschlossene Freigabe-Konzept in Fellbach die Legalisierung von:

  • 4 bereits vorhandenen Trails die unter 2 Meter breit sind (grün dargestellt)
  • 7 Trailabschnitte, die wir als Singletrails neu anlegen dürfen (gelb dargestellt)
  • 3 naturnahe Wegabschnitte, die befahren werden können, da sie sowieso über 2 Meter breit sind (blau dargestellt)

Sofern alle Fachstellungnahmen des Landratsamtes ebenfalls abschließend positiv verlaufen und die Ausnahmegenehmigungen formell erstellt wurden, dürfen wir uns künftig also auf 4 vorhandene und 7 neu anzulegenden Trailabschnitten frei und legal bewegen.

Für 11 Trails hoffen wir also auf der Gemarkung Fellbach die Ausnahmegenehmigung möglichst zeitnah zu erhalten. 

Ausweich- oder Entlastungstrails

Die neuen gelben Trails sind sog. „Ausweich- oder Entlastungstrails“. 

Im November haben wir dem NABU geholfen das FFH Schutzgebiet “Steppenheide” einzuzäunen, weshalb ein Trail in diesem Bereich leider entfallen ist.

Als Alternative haben wir daher nun die Zustimmung zu den neuen Wegtrassen Nr. 1-01 und 1-02 als Ausweichtrail erhalten. Hier dürfen wir einen komplett neuen Singletrail anlegen mit der Vorgabe: naturnah zu gestalten also keine Sportstätte zu errichten. 

Um für möglichst viele eine interessante Strecke zu schaffen, wird es eine Herausforderung werden die Topografie bestmöglich zu nutzen und die Strecke nachhaltig anzulegen. 

Die Trails Nr. 1-14, Nr. 1-15 und Nr. 1-16 rund um den Kernerturm sollen für eine Entlastung auf den breiteren Waldwegen sorgen, auf welchen meistens viel los ist. Alle drei Trails sind noch nicht vorhanden und werden künftig direkt neben den bestehenden Forstwegen geführt, sind damit spannender für Mountainbiker aber gleichzeitig jagdlich und naturschutzrechtlich neutral. Auch die Trailabschnitte 1-17.2 sowie 1.17.3 orientieren sich am bestehenden Schotterweg und dienen der Entflechtung der Nutzer. 

Einige naturnahe Wege wurden im Prozess als bereits legal befahrbar definiert

Die 3 naturnahen blauen Wege (Nr. 1-05; Nr. 1-11, Nr. 1-17.1) auf Fellbacher Gemarkung wurden im Prozess als über 2 m breit und damit als legal im Prozess bestätigt und dürfen also ebenfalls gemeinsam mit den Fußgängern – unter gegenseitiger Rücksichtnahme –  benutzt werden. 

Vorhandene Trails für die eine Ausnahmegenehmigung von der 2-Meter-Regel notwendig ist

Die grünen Linien (Nr. 1-07; Nr. 1-10; Nr. 1-12; Nr. 1-12.1) sind bereits vorhandene Singletrails, die wir in diesem Prozess weiterhin mit nutzen dürfen und für die wir eine Ausnahmegenehmigung von der 2-Meter-Regel erhalten sollen. 

Verbindung zur Gemeinde Kernen

Der Anschlusspunkt zur Nachbargemeinde Kernen ist bereits schon mit der Eröffnung des Katzenkopftrail (Nr. 3-02) letzte Woche umgesetzt und genehmigt worden. Die übrigen Trails auf der Gemarkung Kernen (Nr. 3-01, Nr. 3-03, Nr. 3-04) sind noch nicht beschlossen worden, wurden aber von uns im formellen Verfahren eingebracht und stellen daher ein weiteres Entwicklungspotential dar. Hier gehts nochmal zu unseren Trailnews zur Einweihung des Katzenkopf Trails

Abstimmung aller Nutzergruppen und Evaluation des Konzepts

Alle Interessensvertreter haben sich zu diesem Trailkonzept bekannt. Nach der Startphase von 2 Jahren (ab der Genehmigung nach § 37 Landeswaldgesetz) soll laut Beschlusslage der Stadt Fellbach – in Zusammenarbeit mit den beteiligten Interessensvertretern – eine Evaluierung des Projektes stattfinden und geeignete Steuerungsmaßnahmen bei Bedarf entwickelt werden. Hier soll es laut Fellbach nicht darum gehen das Konzept an sich in Frage zu stellen, sondern vor allem darum, wo nachgebessert und optimiert werden muss. 

Weiteres Vorgehen unseres Legalisierungsprozesses

Nachdem der Gemeinderat Fellbach heute sein Einvernehmen erteilt hat, wird das Konzept der Beschilderung durch den Rems-Murr Kreis in Abstimmung mit der Stadt umgesetzt und der Start in das Projekt und die Neuanlage der gelben Trails kann durch uns erfolgen.  

Wichtig zu sagen ist, dass wir formell die Ausnahmegenehmigung und ggf. noch die ein oder andere Stellungnahme abwarten müssen. Wir sind aber guter Dinge, dass die Genehmigungen voll erteilt werden nach diesem öffentlichen Beschluss und halten Euch natürlich auch mit unserem Newsletter auf dem Laufenden. 

Was wir auch wichtig finden zu sagen ist: Bitte beachtet, dass die Mehrheit der Trails noch nicht existiert!

Außerdem werden wir auch im Sommer bei den trockenen Bedingungen nicht unbedingt direkt zum Anlegen der neuen Trails kommen, weshalb wir darum bitten davon abzusehen, alle Trails und Co bereits jetzt schon zu bewerben.

Die vorhandenen Linien schaffen gerade so den lokalen Traffic von Mountainbikern und wichtig war allen Beteiligten im Prozess, dass es um Angebote für die lokale Mountainbike Community gehen soll. Es ist also kein touristisches Konzept, das Massen an Bikern anziehen soll, die mit dem Auto anreisen. 

Wir bitten diesen Wunsch zu beachten, da wir ansonsten den weiteren Genehmigungsprozess gefährdet sehen. Vielleicht ändert sich das sobald wir großflächige und kreisweite legale Angebote geschaffen haben, die auch eine höhere Frequenz verkraften. Bis dahin bitten wir wirklich um Euer Verständnis. 

Sehr gerne würden wir Euch natürlich ein Trail- oder Tourenportal zur Verfügung stellen aber aus oben genannten Gründen geht das derzeit einfach nicht. 

Unser Vorgehen bei der Trailkartierung

Wie bereits schon erwähnt haben Patrick und ich in den letzten Monaten mit einem Geoinformationsprogramm konkrete Streckenvorschläge von vielen lokalen Mountainbikern und uns selbst kartiert und die Kartengrundlagen – nach vielen digitalen Planungsrunden mit lokalen Mountainbikern – beim Kreisforstamt eingereicht. Die Fachbehörden und Nutzergruppen mussten dann im formellen Verfahren ihre Stellungnahme abgeben und oft haben wir auch vor Ort den ein oder anderen Konfliktpunkt klären müssen. In Einzelfällen mussten wir auch den ein oder anderen Trail der keine Chance auf Genehmigung hatte, direkt aus dem Konzept heraus nehmen. 
 
Bei der Kartierung haben wir uns an unterschiedliche örtliche Gegebenheiten orientiert und versucht für jeden Bereich individuelle Lösungen zu finden. So wird man künftig im Kreis folgende Trailkategorien finden:
  • „shared trails“ => gemeinsame Nutzung von (Wander-) wegen
  • Schaffung von Mountainbike Trails als Entlastungs- /Ausweichtrails, die sich vom Trassenverlauf an bestehende Forstwegen orientieren. Die Trassen sollen uns aus den dunklen, illegalen, naturschutzrechtlich und jagdlich relevanten Bereichen heraus holen und sich an bestehenden Wegtrassen orientieren. Sie werden vor allem dann geplant, sofern aufgrund Beeinträchtigungen des Wilds und des Naturschutzes illegale Trails keine Chance auf Genehmigung haben. Aber auch bei Entflechtungsdruck besteht die Möglichkeit diese Alternativen einzuplanen. 

Vorgeschichte Gemarkung Fellbach

Im Frühjahr 2020 – also im ersten Corona Jahr – häuften sich bei der Stadt Fellbach die Beschwerden über illegale Mountainbike Strecken sowie Konflikte mit Wanderern, Jägern und dem Forst, weshalb erstmals gemeinsame Gespräche initiiert wurden. Das Ziel dieser Gespräche war es vor allem im Wald die Freizeitaktivitäten der unterschiedlichen Interessensgruppen zu koordinieren und das Mountainbiken auf verträgliche legale Trassen zu lenken.  

Parallel zur Beteiligung im Fellbacher Stadtgebiet wurde der Rems-Murr-Kreis aktiv und versucht im gesamten Kreisgebiet anhand von Runden Tischen und im Rahmen eines ein zusammenhängendes Streckennetz zu etablieren. Die Stadt Fellbach hatte sich im Herbst 2020 daher entschlossen, unter der Federführung des Kreisforstamtes die gemeinsamen Ziele zu bündeln und rascher in die Umsetzung zu gelangen

Angebote statt Verbote schaffen und Strecken proaktiv anzubieten befürwortet übrigens auch die Stadt Fellbach.

Da Fellbach der Regionalgruppe 3 angehört hatte Patrick die Interessenvertretung für uns Mountainbiker hier übernommen.

Beteiligt wurden wie in allen anderen Regionalgruppen folgende Interessensgruppen:

  • Waldbesitzer – hier die Stadt Fellbach
  • Jäger
  • Naturschutz
  • Wanderverbände
  • Mountainbiker

Wie Ihr vielleicht  schon wisst – falls Ihr unserem Prozess schon eine Weile folgt – haben wir für den gemeinsamen Prozess folgende gemeinsame Ziele definiert:

  • Angebote statt Verbote
  • Lenkung durch bedarfsgerechte Angebote
  • Verbesserung der Situation für alle Beteiligten

Festgelegt haben wir außerdem bereits beim Runden Tisch am 02.09.2020, dass alle Interessensgruppen sich an bestimmte Verhaltensregeln halten wollen. Dazu gehörte z.B. Freundlichkeit und gegenseitige Akzeptanz sowie später auch eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit.

Abschließende Worte

Vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten für den offenen und vertrauensvollen Prozess auf Augenhöhe. Wir fühlen uns zum ersten Mal als Breitensportler wahrgenommen, die einfach ebenfalls ihren Platz in unseren schönen Wäldern legal nutzen wollen. 

Und nachdem der Rems-Murr-Kreis über 31 Städte und Gemeinden verfügt, könnt Ihr vielleicht nachfühlen und Euch vorstellen, wieviel Arbeit auf Patrick und mich – aber auch auf Lars, der uns vom DAV Schorndorf in der Regionalgruppe 4 mit der Kartierung unterstützt – noch zu kommt. 

Wenn Ihr also gut findet was wir machen und uns gerne unterstützen wollt, dann werdet bitte neben Euren lokalen Vereinen auch Einzelmitglied bei uns oder tretet direkt mit Eurem ganzen Verein in die DIMB ein. Jedes Mitglied gibt uns mehr Gewicht und zeigt, das wir längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

2 Gedanken zu Neue legale Mountainbike Trails auf dem Kappelberg in Fellbach beschlossen

  • Sind die beiden trails “Walk the line” und “Kickstarter” deshalb nicht in dem Konzept enthalten, weil sie sich auf der Gemarkung der Stadt Stuttgart befinden?

    • Hi Max, ja leider sind diese Trails auf der Stuttgarter Gemarkung, wie ein paar andere beliebte Trails auch noch. Und somit leider nicht bei uns mit dabei.Grüße Pat

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